Ein Lager in der Türkei ist für europäische Einkäufer selten Selbstzweck. Es löst konkrete Probleme: Sie beziehen von mehreren türkischen Lieferanten und wollen nicht jede Teilmenge einzeln verschiffen. Sie brauchen Pufferbestand nahe der Produktion, um Abrufe kurzfristig bedienen zu können. Oder Sie wollen Ware erst nach Wareneingangsprüfung in die EU einführen, nicht davor.

Wir betreiben Lagerflächen in der Türkei mit Bestandsführung über ein Warehouse-Management-System und verbinden sie direkt mit unseren Transportleistungen. Der Vorteil liegt in der Schnittstelle: Wer Lager und Hauptlauf trennt, bezahlt die Abstimmung mit Zeit.

Typische Einsatzfälle

Konsolidierung

Mehrere Lieferanten liefern an ein Lager an. Wir bündeln zu einer Komplettladung oder einem Container statt vieler Teilsendungen — das senkt Frachtkosten und Zollaufwand deutlich.

Cross-Docking

Ware wird umgeschlagen, ohne einzulagern: Anlieferung, Sortierung nach Empfänger, direkte Weiterverladung. Für schnelldrehende Sortimente die kostengünstigste Variante.

Pufferlager

Bestand nahe der Beschaffungsquelle, aus dem auf Abruf geliefert wird. Reduziert Ihre Kapitalbindung in Europa und verkürzt Reaktionszeiten.

Wareneingangsprüfung

Kontrolle von Menge, Zustand und Spezifikation vor der Verschiffung. Reklamationen werden in der Türkei geklärt, nicht nach der Einfuhr in Deutschland.

Leistungen im Lager

Über die reine Flächenbereitstellung hinaus übernehmen wir die Arbeiten, die vor dem Hauptlauf anfallen:

  • Wareneingang mit Mengen- und Sichtprüfung, Erfassung im WMS, Abweichungsmeldung
  • Kommissionierung nach Ihren Vorgaben, palettenweise oder auf Artikelebene
  • Umpacken und Palettieren — auch Anpassung an Europalettenmaße für die europäische Distribution
  • Etikettierung nach Empfängervorgaben, inklusive Barcode- und Versandlabels
  • Containerstuffing mit Ladungssicherung und Dokumentation für die Seefracht
  • Bestandsberichte in vereinbartem Rhythmus

Temperaturgeführte Ware lagern wir getrennt mit Temperaturaufzeichnung — Details unter Kühlkettenlogistik.

Der Zollstatus entscheidet über die Kosten

Ein Punkt, der bei der Planung häufig zu spät betrachtet wird: In welchem zollrechtlichen Status liegt die Ware? Die Antwort verändert Ihre Liquidität erheblich.

Lagerung und Zollstatus — grundsätzliche Wirkung, im Einzelfall zu prüfen
KonstellationWirkung
Lagerung in der Türkei, Einfuhr späterEinfuhrumsatzsteuer und etwaige Abgaben fallen erst bei tatsächlicher Einfuhr an — Liquidität bleibt gebunden, nicht abgeflossen.
Zolllager in der EUWare liegt unverzollt in Europa. Abgaben entstehen erst bei Entnahme in den freien Verkehr; sinnvoll bei unsicherem Absatz.
Direkte Einfuhr, dann EU-LagerKürzeste Reaktionszeit zum Kunden, aber Abgaben und Einfuhrumsatzsteuer werden vollständig vorfinanziert.

Für Industriewaren mit gültiger A.TR entfällt der Zoll ohnehin, die Einfuhrumsatzsteuer von 19 % beziehungsweise 7 % bleibt aber ein Liquiditätsfaktor. Bei größeren Beständen lohnt es, den Zeitpunkt der Einfuhr bewusst zu wählen. Welche Variante zu Ihrem Absatz passt, klären wir gemeinsam mit unserer Zollabfertigung.

Anbindung an den Hauptlauf

Der eigentliche Nutzen entsteht durch die Verbindung von Lager und Transport. Aus demselben Lager verladen wir je nach Bedarf auf LKW, in den Seecontainer oder für eilige Teile in die Luftfracht. Das heißt: Sie entscheiden über den Verkehrsträger, wenn der Bedarf konkret ist — nicht schon beim Einkauf.

Weitere Leistungen

Häufige Fragen zur Lagerlogistik

Wie wird die Lagerung abgerechnet?

Üblicherweise nach belegtem Palettenstellplatz und Zeitraum, zuzüglich Handlingkosten für Wareneingang, Kommissionierung und Verladung. Bei Cross-Docking entfällt die Lagergebühr, weil die Ware nicht eingelagert wird — dort wird nur das Handling berechnet. Für ein belastbares Angebot brauchen wir Artikelanzahl, Palettenmengen, erwartete Umschlagshäufigkeit und Angaben zu Temperaturanforderungen.

Wann lohnt Konsolidierung gegenüber Einzelversand?

Sobald Sie regelmäßig von mehr als einem türkischen Lieferanten beziehen. Statt mehrerer Teilsendungen mit jeweils eigenem Frachtsatz, eigener Zollanmeldung und eigenem Nachlauf entsteht eine Komplettladung oder ein Container. Der Frachtvorteil ist meist deutlich, der Zollaufwand sinkt ebenfalls, weil eine Anmeldung statt mehrerer erforderlich ist.

Können Sie Ware vor der Verschiffung prüfen?

Ja. Standardmäßig führen wir eine Mengen- und Sichtprüfung gegen die Lieferpapiere durch und melden Abweichungen. Darüber hinaus können wir nach Ihrer Checkliste prüfen — etwa Maße, Kennzeichnung, Verpackungsqualität oder Vollständigkeit von Zubehör. Der Vorteil liegt darin, dass Reklamationen beim türkischen Lieferanten geklärt werden, bevor Fracht- und Einfuhrkosten entstanden sind.

Sehe ich meinen Bestand?

Ja, die Bestandsführung läuft über ein Warehouse-Management-System und wir stellen Bestandsberichte in vereinbartem Rhythmus bereit — bei Bedarf auch artikelgenau mit Ein- und Auslagerungsbewegungen. Für Abrufe genügt eine Bestellung an unser Team, das die Kommissionierung und Verladung auslöst.

Lagern Sie auch temperaturgeführte oder gefährliche Güter?

Temperaturgeführte Ware lagern wir getrennt mit dokumentierter Temperaturaufzeichnung. Bei Gefahrgut ist die Lagerfähigkeit von Klasse und Menge abhängig und muss im Einzelfall geprüft werden — bitte nennen Sie UN-Nummer, Klasse und Menge, dann sagen wir Ihnen verbindlich, ob und unter welchen Bedingungen wir einlagern können.